JIB II.

JIB II.  pro Level

Das Prinzip des kleinen JIB, dass ich vor geraumer Zeit gebaut hatte, galt es in neue Dimensionen umzusetzen. Ok, ich kenne das Wort „Größenwahn“, aber ehrlich gesagt – es muss einfach stabil sein und für den Anwender gefahrlos funktionieren!

Gerade bei dem anstehenden Dreh war das Kameragewicht ausschlaggebend – und einige Szenen, bei denen die Kamera über dem Kopf der Schauspielerin gehalten wurde, inklusive Fahrt von oben nach unten auf das Gesicht zu.

Da darf einfach nichts passieren!
































Hinten habe ich eine Haltestange für Hanteln angeschraubt. Extrem stabil und für hohe Lasten ausgelegt.

Etwa 30 – 40 Kg muss das Teil halten, weit über 100 Kg wären locker möglich.













































































































































Die "Zeichnungen" sind für mich die groben Skizzen gewesen, nach denen ich schlussendlich vorgegangen bin. Sie halfen mir wirklich, den Bau entsprechend umzusetzen, dass das Ergebnis nicht aus dem Ruder lief - Kosten und Aufwand eben...!


Alle Achsen sind natürlich aus Stahl,

der Hauptträger aus 5mm starkem Aluminium, der Tangentialausgleich ungleich leichter und dünner, trägt er doch nicht die Hauptlast.

Die Kopf-Konstruktion und der Halter für das Gegengewicht sind im Grunde gleich konstruiert, lediglich die Halter für den Videokopf, bzw. für das Gegengewicht sehen anders aus.

Vorne habe ich mir eine Besonderheit einfallen lassen, da ich keinen Halfbowl-Adapter mehr kaufen wollte, wie bei meinem großen Stativ!

Das Konstrukt dafür hatte ich mir zunächst aus Holz gebaut, damit ich mit diesem Modell Versuche der Nutzbarkeit ausführen konnte. (Nennt man so etwas eine Nutzbarkeits-Studie…?)

Anschließend konnte ich das Teil aus Aluminium nachbauen und schleifen, ziemlich viel Arbeit! Aber es funktioniert hervorragend!

Als Videokopf kommt übrigens der Vinten Pro Touch 10 zum Einsatz, mit einer verlängerten Aufnahme für Manfrotto – Schnellwechselplatten.

Damit das JIB in jeder Position arretiert werden kann, habe ich an der Seite der Hauptachse eine Bremse angebracht, die sich leicht mit einer Sternschraube nutzen lässt. Eine Dämpfung ist hier übrigens nicht möglich, also nur Stop oder Go!

Alle 6 Achsen sind individuell eingebaut und mit drei Schrauben in korrekter Position gesichert. Der Träger in U-Form ist sehr stabil und führt die Kräfte des Traggewichtes zentriert nach unten auf die Drehachse des Statives.

Dieses habe ich auch im Einsatz für den großen Kran, bin also mit nur kleinen Umbaumaßnahmen modular und kann verschiedene Einsatzzwecke ohne großen Aufwand abdecken.

Zurück zum Bau: Nachdem ich alle Teile miteinander verbunden hatte, wollte ich natürlich ein entsprechendes Finish erzielen. Folieren habe ich ausprobiert, leider sind die Bereiche mit den Schrauben in diesem Fall sehr hinderlich. Dann habe ich das gemacht, wobei ich bei Anfragen immer wieder warnend abrate:

Ich habe Aluminium lackiert…

Ok, ich habe zunächst eine Grundierung aufgetragen, die speziell für Lackfarben auf Metall sein soll. Nach dem Trocknen (ich habe mir das wirklich Zeit gelassen!) habe ich dann die mattschwarze Farbe aufgesprüht. Das Ergebnis hat mich sehr gefreut, es sah richtig gut und teuer aus! Anschließend noch mein Logo aufgeklebt… toll!

Der Dreh verlief hervorragend, natürlich viel Arbeit und Mühen, der Film ist recht ansehnlich geworden und lief bereits auf einigen Festivals.

Die Arbeit mit dem JIB lief hervorragend, er wurde wesentlich öfters eingesetzt, wie es vorher eingeplant war. Nicht nur für höhere Positionen oder ungewöhnliche Effekt, sondern auch recht banal für plane Fahrten mit dem Kamera. Das hohe Gewicht sorgt für eine entsprechende Trägheit und garantiert absolut gleichmäßige und ruhige Fahrten in jede gewünschte Richtung,

ohne Zittern oder Wackeln!

Viele Wochen später dann das ungewöhnliche: starke Risse im Lack, großflächige Ablösungen bis zum blanken Metall… Warum erst so spät? Die Lagerung war in einem gleichtemperierten Raum bei gleicher Luftfeuchtigkeit – also keinerlei Einflüsse von außen…

Meine Vermutung, warum der Lack keinen Halt mehr hatte: Ich hatte die Oberfläche sehr gut gereinigt und sehr fein geschliffen. Eigentlich poliert. DAS war der große Fehler! Die Farbmoleküle müssen sich ja mit dem Untergrund mechanisch verbinden, also regelrecht „verzahnen“, damit ein Halten ermöglicht wird. Doch hier hatte ich durch die Glätte jegliche Möglichkeit der Verzahnung genommen…

Warum das erst so spät auftrat…keine Ahnung!


Nun bin ich hier und da dran den Lack zu entfernen und die Metalloberfläche so aufzurauen, dass der anschließende Lackiervorgang nicht umsonst ist und der Lack hält! Mit einem billigen Sandstrahl-Vorsatz und einem winzigen Kompressor ist das natürlich eine echt blöde Arbeit, aber es geht voran…



Ein Wort zu Gefahren!


Im Verlauf des Baus hatte ich zwei Erlebnisse, die ich unbedingt mitteilen möchte! Solange die Achsen noch nicht durchgesteckt und befestigt waren, war das Konstrukt sehr instabil. Dies führte zweimal dazu, dass der schwere Hauptträger quer ins Rutschen kam und ich mir beinahe mehrere Finger abgeschert hätte! Zum Glück hatte ich dickere Handschuhe an, die schlimmeres verhindern konnten! Es war trotzdem eine sehr schmerzhafte Erfahrung, auf die ich gerne verzichtet hätte…

Unfälle passieren nicht, sie werden verursacht!

Hier wäre eine zweite Person natürlich sehr hilfreich gewesen, vorausschauendes Denken ebenfalls wichtig und bedachter Umgang mit den hohen Gewichten einzelner Bauteile.


Ich habe meine Lehre daraus gezogen…!


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