Großer Kamerakran

Großer Kamerakran

Der Bau des großen Krans steht eigentlich in keinem Verhältnis zu Aufwand und Nutzen. Der Spaß am Bau und die Individualität sind aber für mich der ausschlaggebende Punkt gewesen. Wer einen Fertigkran z.B. in Indien bestellt, wird wahrscheinlich ein komplettes Paket beziehen können, welches auch nicht gerade schlechter ist, im Gegenteil.

Dafür muss zwar mit einem rel. großen Zeitaufwand gerechnet werden, die Versandkosten und die Zollgebühren darf man auch nicht vergessen...nicht zu vergessen die behördlichen Auflagen, die dann noch zu beachten sind!


Wer aber "zwei linke Hände" hat, sollte den Eigenbau besser nicht durchführen!

Grundsätzlich ist der Bau des großen Kranes ein Unterfangen, welches sehr zeitaufwändig ist.
Meine Entwicklung und der Bau haben rund 4,5 Monate Zeit verbraucht, aber locker und ohne Druck...

Der finanzielle Aufwand lag insgesamt bei etwa 600,00 Euro, die sich auf die Monate verteilt haben. Dies war von vornherein nicht beabsichtigt, hat sich aber dann doch so ergeben...

Man sollte Erfahrungen in Metallverarbeitung haben, die notwendigen Werkzeuge und natürlich auch Kenntnisse mit deren Umgang.

Dass man sich beim Einsatz der Werkzeuge fachgerecht schützt sehe ich als selbstverständlich an!

Hier nun die entsprechenden Aufstellungen der Materialien und deren mögliche Bestellquellen, soweit möglich. Die Preise sind natürlich von den Herstellern abhängig, deswegen sehe ich dies lediglich als Hinweis an. Wenn man bei anderen Herstellern bessere Preise oder Materialien bekommt, sollte man sich natürlich in dieser Richtung weiter begeben...

Vieles habe ich über eBay bezogen, doch hier bitte die Preise vergleichen! Langes Suchen bleibt leider nicht aus, wenn man kostenorientiert arbeiten muss, also sieht man die Zeit als Investition zum Sparen an ;-)


Nehmen wir es sportlich:

Traversen           

Bezug über die Firma www.atld.de  (Suche nach Deco Truss)


http://www.atld.de/Traversen-Messestaende/Deco-Traversen/ATLD-Truss/ATLD-Truss-Stahl:::510_19_3312_3313.html

Es handelt sich um sog. Deko-Traversen, die aus Stahl gefertigt sind. Aluminium ist im Schenkelmaß größer und auch wesentlich teurer, aber dafür auch wieder leichter.

Baustahl

Um die Traversen mit dem Stativ zu verbinden muss eine Aufnahme mit einem Rohr geschaffen werden.  Das Rohr sollte nur unwesentlich größer im Durchmesser sein als das verwendete Stativ, damit kein Spiel entsteht.
Kleiner Tip:Bei mir habe ich eine recht feste Kunststofflage zwischen dem Stativ und dem Rohr gesteckt um das geringe Spiel aufzuheben.

Nicht die Platte unter der Traverse vergessen...Dies habe ich mit einfachem Baustahl realisiert, 5mm Plattendicke.

Des weiteren habe ich Flacheisen genommen, um am Ausleger das Scharnier für den Remotehead zu befestigen und eine Haltemöglichkeit für die Gegengewichte geschaffen. Auch musste für den Tangentialausgleich noch eine Halterung für das Stahlseil geschweißt werden, also wieder Flacheisen im Einsatz...
Die Hauptachse des Krans habe ich aus V2A-Edelstahl über eBay bezogen. In meinem Fall eine 15mm Achse. Die Länge ist i.d.R. 50cm, kann aber mit einer Flex und Trennscheibe gut gekürzt werden.


Übrigens Stichwort Schweißen: Ich habe ein total billiges E - Schweißgerät, für grobe Sachen vielleicht ausreichend, aber für feinere Dinge oder unterschiedliche Materialstärken, welche zusammengeschweißt werden müssen, denkbar ungeeignet. Leider kann ich mir ein vernünftiges Gerät nicht leisten ( Schutzgas-Schweißgerät 350-400,- Euro), daher die wirklich schlechte Optik der Schweißnähte. Sie halten zwar, aber dafür habe ich wirklich "rumbraten" müssen - richtiges Schweißen sieht anders aus! Asche über mein Haupt....

Und nicht vergessen: Das Wichtigste beim Schweißen ist das  "W"  ;-)



Hier mein Entwurf mit meinen verwendeten Maßen (in WORD erstellt) und ein entsprechendes Foto, was draus wurde...



Stativ

Das alles tragende Stativ ist ein Boxenstativ mit einer Belastungsgrenze von annähernd 70 Kg.
Wer ein größeres und stabileres nehmen möchte, kann sich gerne auf der Homepage vom Musicstore Köln oder Musikhaus Thomann umsehen.


Die Anbringung eines Lagers an der Stativstange habe ich wie folgt vorgenommen:

Oben am Stativ ist ein Kunststoff-Stopfen.  Auf diesen habe ich ein Drucklager gelegt - was natürlich beim Aufsetzen runterfällt...also musste ich das Lager irgendwie befestigen, aber wie?


Nun, ich habe ein 5mm Stahlstück genommen, in etwa rund geflext und mit einem Gewinde in der Mitte versehen. Durch das Gewinde habe ich dann eine Schraube eingedreht und festgeschweißt. Anschließend den Schraubenkopf abgeflext und plan beigeschliffen. Die Schraube ragt nun durch das Lager - und somit durch den Kunststoff-Stopfen. Auf der Rückseite des Stopfens habe ich dann eine große Unterlagscheibe eingefügt und mit einer Mutter gesichert. Nun habe ich eine komplette Einheit incl. Lager!


Das hier angegebene Stativ-Modell ist ein Nachfolger von meinem, da hier immer wieder neue Serien aufgelegt werden.


Bezug beispielsweise über Fa.  www.musicstore.de:

http://www.musicstore.de/de_DE/EUR/Ultimate-TS-70-Boxenstativ-127-195-6-cm-max.-68-2-kg/art-PAH0010184-000

Dolly

Das fahrbare Untergestell (Dolly) aus dem Video habe ich aus Holz gefertigt, anschließend drei einfache Rollen drunter geschraubt -fertig.

Bezug über jeden Baumarkt.

Ich empfehle aber dringend Rollen ( Durchmesser mind. 100 mm ) zu nehmen, die eine Bremse haben. Die sind natürlich etwas teurer ( stk. ca. 20,00 Euro ), aber erhöhen die Standsicherheit enorm!

Zwischenzeitlich habe ich ein neues Gestell gebaut, diesmal aus Stahl geschweißt und für den Transport zerlegbar. Die Bauteile sind aus alten Tischbeinen zusammengestellt und geschweißt, hier ist also eigene Kreativität gefragt! Pro Rolle mit 100 Kg belastbar. Um das zu testen, habe ich mich mal probeweise auf das mittlere Stück gestellt - Perfekt! Ok, ich bin doch etwas leichter, aber nichts hat nachgegeben, von daher absolut OK! Hier ein Bild davon.



Muss ein Dolly überhaupt sein? Definitiv JA! 

Zum einen ist der Kran nicht exakt auf einen Punkt der Aufstellung begrenzt, auf der anderen Seite werden die Stativbeine daran gehindert, nach außen zu driften. Das Gewicht des Kranes darf man keinesfalls unterschätzen, also ein sehr wichtiger Punkt!

Mein Dolly nehme ich für meinen großen Kran, den kleinen Kran und für normale Stativarbeiten. Bei schön glatten Untergründen kann man damit schöne Kamerafahrten machen, also lohnenswert in jeglicher Beziehung!


Gewichte

Wenn man Glück hat, kann man in einem Fitnesstudio alte Gewichte für kleines Geld bekommen. Aber übliche Hantelscheiben sind auch nicht so teuer, wenn auch Versandkosten hier böse zuschlagen können, also aufpassen! Vielleicht in der Stadt bei einem Sportgeschäft anfragen, die können gerne weiterhelfen.

Bezug über eBay und co. oder Kaufhäuser / Sportfachgeschäfte in der Innenstadt

Kugellager / Stellringe

Es werden verschiedene Kugellager benötigt, die ich allesamt über eBay beziehen konnte.

Die großen blauen nennen sich Standlager. Kosten etwa 7,00 - 10,00 Euro/stk.

Dazu kommt noch ein Drucklager für die horizontale Drehbewegung. Einsatz auf dem Stativ. Kosten etwa 3,00 - 6,00 Euro/stk.

Hier kann ich dann auch direkt die Stellringe ansprechen, die dafür sorgen, dass die durchgeschobene Stahlachse in der Führung bleibt. Ca. 1,50 Euro/stk.

Bitte bei allen durchmesserbezogenen Dingen darauf achten, dass die Maße gleich sind! Also 15mm Achse = Stellring mit 15mm Innedurchmesser und die Standlager ebenfalls mit 15mm Innendurchmesser...schon klar....

Kleinteile (!)


Ein nicht zu unterschätzender und leider kostenintensiver Bestandteil sind die Kleinteile wie:

  • ein paar Schrauben hier und da,
  • Unterlagscheiben,
  • etwas Farbe,
  • Fahrradschnellspanner (kurze Ausführung, oder normale Schrauben mit Flügelmutter)
  • Aufnahme für Remotehead,
  • ein Stahlseil, etc....


Hier sind die Kosten gar nicht überschaubar, wenn man das ein oder andere Teil in seiner Werkstatt schon rumliegen hat. Wer sich aber alles auf einmal kaufen muss, der wird wahrscheinlich schockiert über die Kosten sein! Und die Beschaffung kann auch schon mal schwieriger werden...Mal eben eine Schraube mit Kunststoffknauf kann schon 3,00 - 6,00 Euro kosten. Und wenn man dann 3 oder 4 Stück benötigt, dann haut das schon rein...mal hier 30,00 Euro, mal hier 40,00 Euro...usw!

DIe Befestigung für den Remotehead ist ebenfalls gelagert. In meinem Fall konnte ich ein altes Türscharnier verwenden, welches nicht steckbar, sondern permanent miteinander verbunden ist. Hier ein ähnliches Teil zu bekommen stelle ich mir schwierig vor, also auch hier bitte die eigene Kreativität einsetzen und/oder die Baumärkte durchforsten...

Wie der Bau im einzelnen zu realisieren ist, kann ich kaum beschreiben. Bei mir war der Lagerkopf mit den Standlagern die erste fertiggestellte Baugruppe, da am schwierigsten herzustellen. Natürlich war der Einsatz auf dem Stativ die Grundlage für den weiteren Aufbau.

Nach den unzähligen Videos auf Youtube hatte ich bereits alles gesehen, aber wie das dann in Echt funktioniert ist wieder etwas anderes...

Nach diesem Bau kamen dann die Traversen an die Reihe. Wo die Stahlplatte genau hinkommen sollte, kann man vielleicht berechnen, aber bei mir war's halt nach Gefühl. Ich habe aber hinter die verwendete noch eine weitere Platte angeschweißt, für den Fall, dass mal ein mittlerer Einsatz in Betracht kommen sollte und nur eine Traverse nach vorne zum Einsatz kommt.
Bei den Traversen habe ich noch einen zusätzlichen Punkt, auf den ich hinweisen möchte: Die drei Verschraubungen machen einen soliden Eindruck. Dennoch habe ich eine zusätzliche Verschraubung zum Einsatz gebracht: Den obersten Bolzen habe ich auf einer Seite permanent von oben verschraubt, auf der anderen Seite mit einer Kunstoffknaufschraube versehen. Man kann also werkzeuglos eine zusätzliche Befestigung nutzen. Die unteren Bolzen kann man getrost aus dieser Überlegung ausschließen, da die Winkelkräfte nur oben wirken und die unteren Bolzen im Prinzip als Drehpunkt anzusehen sind. Eine Verschraubung dort wäre also wirklich sinnlos.

Natürlich braucht man viel Platz, um alles zusammenzubauen, bitte also mit einplanen!

Nachdem die Traversen auf dem Lagerkopf waren, habe ich ein kleines Gestell für die Gegengewichte geschweißt. Hier gilt es darauf zu achten, dass die Gewichte nach ihrer Anbringung nicht verrutschen oder sich verschieben, da das Gleichgewicht des Kranes sehr empfindlich darauf reagiert! Verschrauben ist also eine gute Lösung!

Dann ging es an den Remotehead!

Diesen habe ich über das quer liegende Scharnier angebracht, welches ich mit Aufnahmepunkten für die Traverse versehen habe. Hier kommen dann die Fahrradschnellspanner zum Einsatz, die eine Anbringung so sehr erleichtern!

Jetzt musste ich noch dafür sorgen, dass die Kamera immer in der Waage bleibt, also mit einem sog. Tangentialausgleich. Hier habe ich ein Stahlseil genommen, welches am Lagerkopf und am Remotehead befestigt wird. Meine erste Idee, das Seil durch die Traverse zu führen, stellte sich als technisch nicht lösbar dar. Leider...wäre sonst extrem elegant geworden!

Egal, der nächste, fast abschließende Schritt war die genaue Gewichtsbestimmung. Hui, gar nicht so einfach! Ich habe unterschiedliche Gewichte genommen und solange ausprobiert und rumgeeiert, bis das Ergebnis stimmig war. Wer so etwas mathematisch bestimmen will: Bitteschön.....aber nicht mit mir! Da gibt es Formeln, für die man einen Waffenschein benötigt!

Fertig. Naja, fast. Die Kamera und den Remotehead verkabeln, die Stromversorgung sicherstellen, eine Transportkarre besorgen..... Ok, in den anderen Kapiteln sind dann hierfür nähere Informationen enthalten!


Muss ein Kran so extrem leichtgängig sein? Komische Frage, aber wenn alles so glatt und reibungslos funktioniert, wie bei meinem, dann stellt sich die Frage tatsächlich! Der kleinste Windhauch kann den Kran drehen, die vertikale Bewegung muss ebenfalls in welcher Endlage auch immer festgehalten werden, damit sich diese nicht verselbstständigt - auch nur wegen ein bisschen Wind. Na gut, dafür laufen die Bewegungen fast wie eine Hydraulik, also sehr entspannt und ruhig. Aber etwas Halt zwischendurch ist auch nicht so unerwünscht...nur so am Rande.



Fazit: Aus einer "mal eben so..." - Idee wurder ein ernsthaftes Projekt. Die 4,5 Monate des Baus waren eine echte Bereicherung für meine Fähigkeiten und haben mir gezeigt, dass vieles mehr möglich ist, wenn man nur will - und sich vorher umfassend informiert.

Die Kosten sind voll aus dem Ruder gelaufen, haben sich aber auf die gesamte Zeit hin verteilt und waren somit ok. Aufgeben wollte ich das Projekt in keinem Stadium, es gab aber auch keine so großen Rückschläge, die dies in Frage gebracht hätten.

Mit dem Ergebnis bin ich wirklich zufrieden. Ich konnte den Kran schon mehrfach einsetzen und habe recht gute Ergebnisse damit erzielt. Natürlich muss man den Umgang umfangreich üben, da viele Bewegungungen und Beobachtungen gleichzeitig durchgeführt werden müssen.


Würde ich nochmal einen Kran bauen?....naja - hab ich schon fertig gestellt - nur in kleinerer Ausführung für Innenräume und wenig Aufwand bei kleinen Szenen...


Wichtiger Hinweis:


Ein Kran darf in Deutschland nicht einfach aufgebaut und eingesetzt werden! Der Kran selbst muss eine TÜV-Abnahme erfahren, der Kranführer muss eine entsprechende Unterweisung haben und eine Berechtigung zum Führen eine Kranes!


Wenn etwas passiert, dann sind sehr hohe Kosten im Spiel, die man wahrscheinlich geren vermeiden möchte.


Schlimmer noch: Wenn was passiert, dann sind Leib und Leben in Gefahr, hier darf man einen Filmdreh nicht auf die leichte Schulter nehmen!


Eine Verantwortung, Gewährleistung und Haftung beim Bau und Einsatz eines Kranes kann und wird von mir nicht übernommen!