Canon Cage Deutsch

Angefangen hat alles wegen der vollkommen überteuerten Kameraplatte 501Plong von Manfrotto. Nachdem ich gesehen habe, wie die genau gebaut ist, habe ich einfach angefangen, sie selbst nachzubauen. Nicht unbedingt schön, aber voll funktionierend.

Kamera-Rigs haben mich aufgrund ihrer Bauart fasziniert und stellen für die praktische Arbeit einen ungemeinen Nutzen dar. Die Anbringung einer Mattebox, einer Schärfezieheinrichtung (FollowFocus) und eines Mikrofons sind somit gewährleistet. Dazu können im Bedarfsfalle noch eine Schulterstütze und ein Monitor, ein Funkübertragungsset für Audio und/oder Video angebracht werden – doch hier geht es um ein Grund-Rig für „die kleine Anwendung“.

Das Verwendete Material ist Aluminium, als Platte im Maß 30 x 30 cm, 3mm Stärke, davon 4 Stück. Dazu kommt Stangenmaterial, ebenfalls aus Aluminium. Ich hatte jeweils 50 cm Länge eingekauft, was mir später bei anderen Projekten noch dienlich sein sollte.

Die Rods, also die runden Stangen haben je 15mm und 12 mm Durchmesser. Die 12 mm werden lediglich aus Designgründen genommen, im Regelfall wird auch hier 15 mm benötigt, z.B: bei einer größeren Kamera.

Vierkant-Aluminium habe ich ebenfalls in 50cm Länge gekauft, hier mit dem Maß 20 x 25 mm. Auch habe ich einen Strang in 50 x 10mm gekauft.

Dazu kommen noch Schrauben in M3 und M6 Gewindemaß. Das Design der Schrauben ist Geschmacksache, ich habe mich für Imbusschrauben entschieden.

Der Erste Arbeitsschritt ist das Maßnehmen. Ich wollte einen gemäßigten Abstand zur Kamera haben, damit diese nicht so „verloren“ im Rig aussieht. Außerdem ist die Anwendung des Rigs lediglich auf die Canon EOS 700 D beschränkt, da ich in Absehbarer Zeit keine weitere Kamera kaufen werde, die das Maß der 700er überschreitet.

Wer also seine 5 D mk III für dieses Rig nutzen möchte (irgednwie hat die ja scheinbar jeder...), muss die Grundmaße entsprechend angleichen. Hierbei spielt persönlicher Geschmack und ein gewisses Auge für ein ansprechendes Äußeres eine gewisse Rolle: Soll ja nicht ganz blöd aussehen und vor allem praktisch in der Anwendung sein.

Der angegebene Platz ist nach Augenmaß "berechnet", speziell für die EOS700D. Eine größere Kamera braucht eben etwas mehr Platz...

Hier eine weitere Ansicht, in der man sehen kann, wie die Handschlaufe am Rig befestigt ist. Damit ist sogar die eigentliche Funktion nach wie vor nutzbar, was für ein Zufall... ;-)

Hier eine Ansicht, an der die Maße der beiden C-Halterungen erkennbar sind. Die hintere ist aufgrund des Grundblocks für die beiden Rods 20mm stark, das Vordere habe ich aus Designgründen entsprechend auf 10mm Abstand gebracht, es hätte sonst wohl zu wuchtig ausgesehen.

Die Befestigung der Rods war etwas problematisch, da eine professionelle Halterung mit Klemmen nicht von mir verbaut wurde. Nach zwei erfolglosen Versuchen habe ich einer eigenen Konstruktion den Vorrang gegeben. Die beiden Schrauben M6 gehen übrigens durch die Stangen (!), damit eine wirklich stabile Befestigung entsteht!

Hier die komplette Ansicht mit der Angabe der M6 Schrauben. Bei einer Bestückung mit dem FollowFocus muss lediglich die vordere C-Halterung an den beiden Schrauben auf der Vorderseite, sowie eine weitere auf der Rückseite gelöst und nach vorne herausgeschoben werden. Bei einem FollowFocus mit Schnellklammer-Anschluss ist noch nicht einmal ein Lösen erforderlich - aber...habe ich eben nicht.

Die Platte unter der Schnellwechselplatte sorgt für die korrekte Höhe der Kamera, damit das Objektiv zentral in der Mattebox sitzt.

Hier nun eine "Maßzeichnung" (in WORD erstellt), die als Entwurf für mein Rig zuständig war. Ich habe die Maße über einen Ausdruck einfach auf die Aluplatten übertragen, das hatte komplett gereicht. Die übrigen seitlichen Bohrungen sind nicht für alle C-Halter identisch, hier muss man etwas individuell arbeiten und den eigenen Vorstellungen folgen!
Die seitlichen kleinen Platten mit Gewinde ( 1/4") habe eine Stärke von 4mm und 8mm. Ich empfehle durchgehend 5mm, dann können sie besser mit den kleinen M3 Schrauben angebracht werden. Die vordere Platte hat durch das Gewinde eine 1/4"-Schraube, die später den kleinen Kugelkopf und damit das Mikrofon trägt. Zu dünn sollte es da also nicht zugehen.

Auch die Rods der Oberseite muss ich gesondert ansprechen: Bei einer größeren Kamera würde ich diese ebenfalls in 15mm Durchmesser bei 60mm Abstand anbauen. Dies sind übrigens auch die offiziellen Maße, die bei allen üblichen Rigs verwendung finden.
Meine 12mm Durchmesser bei 50mm Abstand habe ich wegen der geringeren Wuchtigkeit genommen, sieht eben etwas charmanter aus. Da ich weiß, dass ich dort keine weiteren Normteile anschließen werde, kann ich mir diesen "Luxus" eben erlauben, hehe...außerdem: Habe ich für mich gebaut - und gut ist! ;-))

Bitte die Maße unbedingt an der eigenen Kamera antesten, ich empfehle einfach einen Ausdruck auf dickerem Papier oder Übertragung auf Pappe, dann kann man das kostengünstig an die Kamera halten, ohne Material zu verschwenden und sich zu ärgern!!

Zu den Werkzeugen: Safety first!!

Brille und Schutzbekleidung tragen, lange Haare zurückbinden und keinen Schmuck tragen!!


Nun, auf jeden Fall braucht man einen 15mm Bohrer. Ok, klingt erstmal nicht schwer, aber....hier etwas qualitativ normales und bezahlbares zu bekommen ist schon etwas schwerer! In einem Baumarkt habe ich mit einem Verkäufer 12 Stück durchprobiert - und keiner war zu gebrauchen!! Die haben rumgeeiert, dass es nicht mehr schön war. Extremster Ausreißer: 7mm radiales Spiel!!!

Im Internet kann man dann die Profiteile kaufen, die liegen aber bei locker 200,00 Euro... Irgendwann hatte ich in einem anderen Baumarkt dann Glück und habe für etwa 20,00 Euro einen halbwegs vernünftigen Bohrer kriegen können...uff! Also bitte aufpassen...

Eine Standbohrmaschine brauch man in jedem Fall, da kann man nichts von Hand bohren!

Quick-Tip: Wenn mehrere Teile an gleicher Stelle ein gleichgroßes Bohrloch brauchen, dann die Teile übereinander legen, befestigen (!) und dann gemeinsam durchbohren! Wird dann um so sauberer und alles passt wie es sein soll.

Bohrer: Einen Satz gute Bohrer sollte man schon haben. Möglichst alle halbe Millimeter im Durchmesser aufsteigend, also 4mm, 4,5mm, 5mm, 5,5mm....


Gewindeschneider: Ich habe einen kompletten Satz von einem Deutschen Discounter erstanden, den, bei dem es ALDI guten Sachen gibt... Ein Schlossermeister hat mir zufällig den Satz begutachtet und er war erstaunt über die wirklich hohe Qualität! Und den Preis (ich glaube 29,90 oder so) hat er kaum für möglich gehalten. Also: kaufen! Hier findet man übliches metrisches Maß UND zölliges, also die vielgebrauchten 1/4 und 3/8 Zoll-Gewindeschneider, Innen-und Außengewinde! Warum die Kameras übrigens dieses Maß haben scheint historische Gründe zu haben, aber genau habe ich das noch nicht eruieren können.

Schleifen: Schleifpapier von 120er Körnung bis 800er Nassschliffpapier habe ich im Einsatz. Dazu Schlüsselfeilen, Metallbürsten, normale Metallfeilen, fürs Grobe geht auch schon mal eine Holzraspel!! Tja, aber nur bei Aluminium, nicht bei Stahl...schon klar...

Bei gutem Fingerspitzengefühl kann man auch eine Flex einsetzen, aber das geht sehr fix, also aufpassen!

Sägen: Handsäge mit Metallblatt, Puksäge, Flex mit dünner Scheibe, Dekupiersäge.

Ich sag aber direkt: Alles muss anschließend noch geschliffen werden...

Katzensand: Fürs Finish! Einen Beutel Katzensand (natürlich neu...) in einen Eimer geben und das Aluteil in diesem Sand bewegen. Und nicht aufhören!! Hierdurch wird die Oberfläche so fein geschliffen, dass man (wenn man lang genug durchhält!) keine Riefen mehr erkennen kann. Wird dann edelmatt...

Anschließend kann man immer noch mit Autopolitur polieren, aber Alu läuft natürlich wieder an. Außerdem sollte eigentlich kein Spiegelglanz entstehen, da hier Refelxionen begünstigt werden, die bei Aufnahmen natürlich stören können!

Eloxieren: Nichts für Selbermacher, da ziemlich aufwändig (Beschaffung/Kosten) und nicht ungefährlich (Gasentwicklung). Ein Fachbetrieb kann das natürlich durchführen, aber alle Bauteile müssen einzeln (!) eloxiert werden, also ein sehr großer Aufwand. Die Kosten kenne ich nicht, aber für 'n Appel und 'n Ei kriegt man das natürlich nicht. Ich vermute nicht unter 100,00 Euro... Aber Alu sieht doch auch so ganz gut aus, oder? ;-))


Wer dieses Rig nachbauen möchte, sollte sich im klaren sein, dass hier viel Arbeit investiert werden muss. Die Schleifarbeiten halten einen auf, die Bearbeitung der Löcher, die kleinen Gewinde für die M3-Schrauben... Schlussendlich lohnt es sich aber, da hier ein wirklich großer Geldbetrag eingespart werden kann. Übrigens: Die Edelhersteller kochen auch nur mit Wasser...


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